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Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg

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Dokumentation
Vorlesungsreihe:
Probleme des Friedens im Nahen Osten vom 24.10.2000 bis  13.2.2001

Institut für Politikwissenschaft, Prof. Dr. Dietrich Thränhardt
Institut für Soziologie, Priv.-Doz. Dr. Uta Klein
der Westfälischen Wilhelms-Universität, Münster

in Kooperation mit:
der Landeszentrale für politische Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen
der Volkshochschule Münster
dem Deutsch-Israelischen Arbeitskreis für Frieden im Nahen Osten - DIAK

dem Projekt Freundschaft Münster-Birzeit eV

 

 

 

 


 

Rüstung und Rüstungskontrolle im Nahen Osten

Dr. Margret Johannsen

12.12.2000

AL AQSA INTIFADA

Udo Steinbach, der hier in Münster vor einer Woche über den Palästina-Konflikt und seine Lösung in regionaler Dimension vorgetragen hat, sprach zwei Tage nach seinem hiesigen Vortrag in Hamburg davon, dass der gegenwärtige Aufstand "die ganze Region in Brand setzen" könne. Solcher Art war auch die Metaphorik in den ersten Medienanfragen, die Anfang Oktober im Zusammenhang mit dem Aufstand der Palästinenser aufliefen. Das Vokabular, das die Journalisten zitierten, war in der Tat martialisch. Barak hatte mit totalem Krieg gedroht, falls Arafat die Gewalt auf den Straßen der Westbank und des Gazastreifens nicht beende. Auf den Straßen arabischer Hauptstädte tönte die Forderung, den arabischen Brüdern in Palästina zu helfen und die Al-Aqsa-Moschee vor dem Griff der Ungläubigen zu retten. Ghadhafi und Saddam Hussein riefen auf, die Kämpfe fortzusetzen "bis zum Sieg". Außerhalb der Region ging die Kriegsangst um. Die Ölpreise stiegen auf den höchsten Stand seit zehn Jahren, und in Erwartung von Versorgungsengpässen fielen die Börsenkurse. Dahinter stand die diffuse Befürchtung, dass sich die Nachbarstaaten in den bewaffneten Konflikt auf Seiten der Palästinenser einmischen würden. Oder, noch schlimmer, dass er auf angrenzende Regionen übergreifen würde.

MILITARISIERTE REGION

So aus der Luft gegriffen sind solche Befürchtungen nicht, wenn man sich die beispiellose Militarisierung des Nahen Ostens vor Augen führt. Mit "Militarisierung" meine ich hier die Verfügbarkeit von Kriegsmitteln und ihre Bedeutung für die Gestaltung internationaler Beziehungen. Die wirtschaftliche Dimension – z.B. die Belastung der wirtschaftlichen Ressourcen durch Rüstungsausgaben – werde ich nur am Rande streifen. Die soziologische Dimension – z.B. der Anspruch des Militärs auf Gestaltung der politischen und gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen – sei hier zumindest erwähnt. Militarisierung kann man unter anderem messen am Anteil der Rüstungsausgaben am Staatshaushalt oder am Bruttosozialprodukt, am Waffenimport, an der Zahl der Soldaten im Verhältnis zur Einwohnerzahl, am Umfang der Waffenarsenale. Überall steht die Region weltweit an der Spitze – ob mit "Naher Osten" nun im weitesten Sinne die Staaten von Iran im Osten bis Marokko im Westen gemeint sind, oder ob er nur von Iran bis nach Ägypten reicht, oder sogar nur Israel und seine unmittelbaren arabischen Nachbarn erfasst. Hier ein paar Schlaglichter: In den drei Subregionen Mashrek, Maghreb und Persisch-Arabischer Golf beträgt gibt es rund 2,9 Millionen Soldaten (ohne Reserven und paramilitärische Einheiten). Bei rund 315 Millionen Einwohnern entspricht das einem Verhältnis von einem Soldaten auf 109 Einwohner. Zum Vergleich: Weltweit beträgt die Relation 1 zu 269, in den europäischen NATO-Staaten 1 zu 195. 8,7 Prozent des Bruttosozialprodukts werden im Nahen Osten für Waffen ausgegeben, weltweit sind es 2,6 Prozent und in den europäischen NATO-Staaten 1,8 Prozent. Die Panzerdichte, bezogen auf die Einwohnerzahl, ist fast dreimal so hoch wie in den europäischen NATO-Staaten.

Noch höher ist der Militarisierungsgrad, wenn nur Israel und seine arabischen Nachbarn sowie die angrenzenden Golfstaaten betrachtet werden: Dort kommt ein Soldat auf 99 Einwohner. 9,7% beträgt der Anteil der Rüstungsausgaben am Bruttosozialprodukt. Und engt man den Blick noch weiter ein, nämlich allein auf Israel und seine unmittelbaren Nachbarn, die so genannten arabischen Ringstaaten, so wird das Bild noch kriegerischer: Ein Soldat kommt hier auf 87 Einwohner. Allerdings beträgt der Anteil der Rüstungsausgaben am Bruttosozialprodukt "nur" 7,8%. Hier "fehlen", statistisch gesehen, die reichen Golfstaaten mit ihren exorbitanten Rüstungsausgaben. Die Panzerdichte ist gut fünfmal so hoch wie in NATO-Europa. Auf der Basis solcher Zahlen kann man den Nahen Osten in der Tat als das größte Waffenlager der Welt bezeichnen.

Sie sehen: Ich enge meinen Blick gewissermaßen ein: Von der Gesamtregion, die die Subregionen Maghreb, Mashrek und Arabisch-Persischer Golf einschließt, bis hin zu der inneren Kernregion des Nahen Ostens, wo sich – 1948, 1956, 1967, 1973, 1982 – fünf große, israelisch-arabische Kriege ereigneten. Ich werde aber nicht bei dieser Fokussierung bleiben können, denn im Zeitalter weitreichender Waffensysteme, vor allem der sogenannten Raketenwettläufe, wäre eine solche Einengung auf das Territorium Israels und seiner arabischen Nachbarn wirklichkeitsfremd.

Bei Bedrohungsszenarien interessieren natürlich nicht die Summen aller Soldaten und Waffen in einer Region, sondern die Kräfteverhältnisse zwischen potentiellen Gegnern. Doch auch dies ist nur ein Teil der Gleichung. Bedrohungen ergeben sich aus militärischen Fähigkeiten und politischen Intentionen, d.h. der Bereitschaft, sich der Fähigkeiten zu bedienen. Ich beginne mit den Kriegsinstrumenten, mit denen sich die Staaten im Nahen Osten bedrohen, komme dann zu den Risiken für den Frieden, die sich mit ihnen verbinden, und diskutiere abschließend die Möglichkeiten, diese Risiken zu mindern.

KEÄFTEVERHÄLTNISSE: QUANTITATIVE UND QUALITATIVEASPEKTE

In einem Krieg zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn wäre Israel seinen Gegnern, was die Zahl der Truppen und die Stückzahlen bei schweren Waffen – bei Kampfpanzern, Artilleriegeschützen, Kampfflugzeugen, Kampfhubschraubern – betrifft, quantitativ weit unterlegen. Die Stärke der israelischen Streitkräfte beträgt in Friedenszeiten – also die Reservisten nicht mitgerechnet – 175.000 Soldaten. In den addierten Streitkräften der arabischen Ringstaaten dienen – ohne Reservisten und ohne paramilitärische Einheiten – 915.100 Soldaten. Das ist ein Verhältnis von 1 zu 5.

Zählt man allerdings auf Seiten Israels die Reservisten hinzu, die – anders als in den arabischen Staaten – als voll einsatzfähig zu gelten haben, verändert sich das Verhältnis dramatisch zugunsten Israels: Bei den Landstreitkräften stehen 499.000 israelische Soldaten 678.300 arabischen Soldaten gegenüber. Das ist ein Verhältnis von 1 zu 1,4.

Bei den Kampfpanzern beträgt das Verhältnis zwischen Israel und den arabischen Ringstaaten 1 zu 2,8.

Ähnlich verhält es sich mit den anderen Waffenkategorien: Bei Artilleriegeschützen ist das Verhältnis gleichfalls 1 zu 2,8.

Das gleiche Verhältnis, 1 zu 2,8, liegt bei Kampfflugzeugen vor.

Nur bei den Kampfhubschraubern ist das Verhältnis mit 1 zu 1,5 nicht ganz so krass ungleichgewichtig: Bei diesem Kriegsgerät übertrifft Israel jeden einzelnen seiner unmittelbaren arabischen Nachbarn.

Solcherart sind die Zahlen, die den weit verbreiteten Darstellungen zugrunde liegen, in denen die israelisch-arabischen Kräfteverhältnisse im Nahen Osten als Verhältnis von David gegen Goliath erscheinen. Doch die israelische Unterlegenheit ist nur die halbe Wahrheit. Die Geschichte der Kriege im Nahen Osten seit 1948 lehrt, dass Zahlen allein einen sehr begrenzten Aussagewert besitzen. Denn in vier großen Nahostkriegen haben die arabischen Staaten erfahren, dass ihre numerische Überlegenheit an Soldaten und Waffen die militärischen Auseinandersetzungen nicht zu ihren Gunsten entscheiden konnte. Israel ist heute in der Region die militärische Supermacht. Aber seine militärische Stärke ist qualitativer Art.

Wenn qualitative Kriterien in den Vergleich der militärischen Arsenale Israels und der unmittelbaren arabischen Nachbarstaaten aufgenommen werden, relativiert dies die numerische Unterlegenheit der israelischen Streitkräfte. Unter qualitativen Kriterien sind Eigenschaften zu verstehen, mit denen die Effektivität der Waffen steigt: Zu den relevanten Parametern militärischer Effektivität zählen Reichweite bzw. Eindringtiefe, Manövrierfähigkeit, Treffgenauigkeit, Überlebensfähigkeit gegenüber Luftverteidigungssystemen. Darüber, was als "Qualitätswaffe" zu gelten hat, gehen die Meinungen der Militärfachleute allerdings auseinander. Und natürlich gibt es auch unter den so genannten Qualitätswaffen ihrerseits wieder qualitative Abstufungen. Die folgenden Kräftevergleiche sollten daher nur als grobe Tendenzangaben verstanden werden.

Bei den modernen Kampfpanzern beträgt das Verhältnis Israel zu den arabischen Ringstaaten 1 zu 2.

Vor wenigen Jahren noch war Israel in dieser Kategorie im Nahen Osten führend. Doch Ägypten hat mit US-Hilfe seine Panzerstreitmacht modernisiert und übertrifft Israel inzwischen, was die Zahl der modernen Kampfpanzer angeht. Bei der modernen Artillerie mit Selbstantrieb besitzt Israel fast so viel wie die arabischen Nachbarn zusammen genommen.

An Mehrfachraketenwerfen haben die arabischen Ringstaaten zwar das Drei- bis Vierfache der israelischen Armee, doch besitzen die israelischen Raketenwerfer eine deutlich höhere Treffgenauigkeit.

Bei den modernen Kampfflugzeugen – in einem konventionellen Krieg von kurzer Dauer das kriegsentscheidende Gerät – besitzt die israelische Luftwaffe 46 Prozent mehr als die Luftwaffen der arabischen Ringstaaten insgesamt, oder anders ausgedrückt: Fast das Eineinhalbfache.

Bei den modernen Kampfhubschraubern liegt das israelisch-arabische Verhältnis ebenfalls bei 1,5 zu 1.

Wenn der qualitative Kräftevergleich das Bild von David gegen Goliath bereits deutlich relativiert, so verschiebt sich die Einschätzung des Kräfteverhältnisses noch einmal signifikant zugunsten Israels, wenn modernste Technologien, sogenannte Streitkräfteverstärker, miteinbezogen werden. Weit mehr als die arabischen Staaten hat Israel sich die revolutionäre Weiterentwicklung der militärischen Potentiale, die so genannte "Revolution in Military Affairs" (RMA) zunutze gemacht. Israel verfügt über die Fähigkeit, nahezu zeitgleich mit den Ereignissen auf dem Schlachtfeld Elemente der Kriegführung wie Befehlsstruktur, Überwachung, Informationsübermittlung und elektronische Datenverarbeitung sowie militärische Aufklärung (die so genannten C4I-Funktionen) mit der Koordination von Einsätzen, der Zielauswahl und -erfassung und der Schadensermittlung zu integrieren. Die Kampfkraft der Waffensysteme wird durch eine solche "systemische" Integration aller Kriegführungskomponenten weit über ihre bloße Addition hinaus verstärkt. Die kriegsentscheidende Wirkung einer solchen Überlegenheit hat der zweite Golfkrieg 1991 demonstriert.

Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus diesen militärischen Kräftevergleichen ziehen? Sie sind ja kein Selbstzweck, sondern ein Instrument unter vielen, um das Risiko eines Krieges oder die Chancen für den Erhalt des Friedens einzuschätzen. Nun lässt sich gewiss nicht behaupten, im Nahen Osten herrsche Frieden. Doch der gegenwärtige gewaltsame Konflikt ist nicht der gefürchtete große Krieg, bei dem die Waffen zum Einsatz kommen, von denen bisher die Rede war. Es ist ein unkonventioneller Krieg, in der Sprache der Strategen "low intensity warfare". In einem Volksaufstand oder einem Guerilla-Krieg kann Israel seine waffentechnologische Überlegenheit kaum ausspielen. Solche Kriege werden in der Regel auf dem Feld der politischen Auseinandersetzung gewonnen – oder verloren. Entscheidender als Kriegsgerät ist hier die Macht über Meinungen – im eigenen Lande, in der gegnerischen Bevölkerung, bei den Partnern und Verbündeten.

Wie aber steht es angesichts der Kräfteverhältnisse im Bereich der Großwaffensysteme um das Risiko eines Nahostkrieges unter Beteiligung Israels und eines oder mehrerer seiner Nachbarstaaten? Hier haben wir es nicht mehr nur mit Fähigkeiten, sondern auch mit Intentionen zu tun. Die Frage lässt sich auch schärfer stellen: Wer bedroht wen in der Region? Aus israelischer Sicht ist Israel umgeben von einer Vielzahl von Staaten, die sich noch immer nicht vollständig mit der Existenz Israels in der Region abgefunden haben, und es kann seine Existenz nur dadurch sichern, dass es seine potentiellen Gegner auf der Basis militärischer Überlegenheit von der Aussichtlosigkeit eines Angriffs überzeugt, der auf die Vernichtung der Existenz des israelischen Staates zielt. Die arabische Sicht lässt sich nicht so leicht in einem Satz formulieren, da wir es hier mit großen und kleinen, starken und schwachen Staaten zu tun haben sowie mit solchen, die sich noch immer formell im Kriegszustand mit Israel befinden, und anderen, die einen Friedensvertrag mit Israel abgeschlossen haben. Aus syrischer Sicht verfolgt Israel das Ziel, sich auf der Basis seiner militärischen Überlegenheit als regionale Hegemonialmacht zu behaupten und die zionistische Expansion abzusichern oder gar fortzusetzen. Aus ägyptischer Sicht hat der Friedensvertrag von 1979 die israelische Bedrohung zwar deutlich gemindert, doch wird nicht ausgeschlossen, dass dieser Sicherheitsgewinn unter künftigen israelischen Regierungen jüdisch-fundamentalistischer Ausrichtung wieder verloren geht. Aus jordanischer Sicht hat der Friedensvertrag von 1994 zwar, wie im Falle Ägyptens, die Bedrohung durch Israel gemindert. Doch weil Konflikte wie die um Jerusalem oder die Flüchtlinge gewaltsamen eskalieren könnten, wird das konventionelle Ungleichgewicht zwischen dem kleinen Land, dessen Bevölkerungsmehrheit palästinensisch ist und das sich gewissermaßen zwischen großen Staaten eingekeilt sieht, und dem starken Nachbarn im Westen als potentielle Gefahrenquelle gesehen. Am bedrohlichsten dürfte Libanon die militärische Überlegenheit Israels wahrnehmen, denn der Abzug Israels aus dem Südlibanon hat nicht zu einer sicheren Grenze zwischen beiden Staaten geführt, und noch immer fliegt die israelische Luftwaffe in Antwort auf Übergriffe der Hizbollah Angriffe gegen libanesische Ziele im Süden des Landes.

Mit der Berechtigung dieser Bedrohungswahrnehmungen kann ich mich hier nicht ausführlich auseinandersetzen. Aber ich will dennoch einige Feststellungen treffen zu Szenarien, die mit den Bedrohungswahrnehmungen korrespondieren: Für einen Krieg mit konventionellen Großwaffensystemen ist Israel militärisch zwar gut gerüstet. Aber einen langandauernden Krieg könnte sich Israel schon aus ökonomischen Gründen nicht leisten. Für das Überleben des an Territorium und Einwohnerzahl kleinen Staates in einem Krieg mit mehreren arabischen Staaten gibt es zu einer Militärdoktrin, die auf eine rasche Entscheidung zielt, keine realistische Alternative. Von einem raumgreifenden Vordringen auf arabisches Territorium und der Eroberung umfangreichen Gebiets kann Israel keine Vorteile erwarten. Die Verteidigungssysteme Ägypten und Syriens sind weit besser als ihre offensiven Waffen, und die eroberten Gebiete würde Israel vermutlich nicht halten können – sie wären politisch eine Hypothek und militärisch eher eine Belastung als ein Gewinn. Die Zeit der Landnahme scheint vorbei (ich nehme einmal die besetzten Gebiete aus), nachhaltige Sicherheit kann Israel nicht länger durch militärische Siege erlangen. Einen Überraschungsangriff mehrerer arabischer Staaten, der Israel nicht genügend Zeit zur Mobilisierung lässt, müsste es fürchten. Ein solcher koordinierter Angriff kann seine Existenz gefährden. Doch im Fall einer existenziellen Gefährdung kann sich Israel – bevor es zur Atombombe greift – vermutlich auf die Hilfe der USA verlassen.

Denn Israels waffentechnologische Überlegenheit beruht auf einer effizienten heimischen Waffenindustrie und US-amerikanischer Militärhilfe. Was immer die USA den arabischen Staaten an moderner militärischer Ausrüstung verkaufen – sie haben sich verpflichtet, für den Erhalt der qualitativen Überlegenheit Israels zu sorgen. Ich komme damit zu den Akteuren, die zur Militarisierung der Region beigetragen haben – und darauf zum erheblichen Teil ihren politischen Einfluss in der Region gründeten bzw. gründen.

DER NAHE OSTEN: GRÖSSTER WAFFENMARKT DER WELT

Der Nahe Osten avancierte nach dem Zweiten Weltkrieg zum größten Waffenmarkt der Welt. Bereits Nach den Nahostkriegen 1967 und 1973, und verstärkt durch die Vervielfachung der Ölpreise in den Jahren 1973/74, erlebte die Region zwei regelrechte Aufrüstungswellen, während derer die Militärausgaben auf über 20 Prozent des Bruttosozialprodukts stiegen. Einige der Staaten wurden bis zur Auflösung des Ost-West-Konflikts von dem gleichen Hauptlieferanten mit Kriegsgerät versorgt. Hier spiegelte sich die Übertragung des globalen Systemgegensatzes auf die regionale Konfliktkonstellation. Bei anderen wechselte der Hauptlieferant. Dies war Ausdruck des politischen Handlungsspielraums, den sich die Regionalstaaten im Rahmen der Vernetzung regionaler Eigendynamik mit globalen Interessen erhalten konnten. Die Hauptlieferanten der Rüstungsgüter waren die Sowjetunion und die USA sowie Großbritannien und Frankreich. Heute beziehen Israel, Ägypten und Jordanien ihr Militärgerät vor allem aus den USA; Syrien wird von den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, der Russischen Föderation und der Ukraine, beliefert.

In den siebziger und achtziger Jahren gelang es einigen Regionalstaaten, eine eigene Rüstungsindustrie aufzubauen. Ägypten und Iran produzieren schwere Waffen. Irak, Jordanien, Saudi-Arabien und Syrien fabrizieren Munition und Kleinwaffen. Die unangefochtene Spitzenposition nimmt Israel ein. Der Sechstagekrieg 1967 und das damit einhergehende Waffenembargo Frankreichs wurde zur Initialzündung für die Entwicklung einer eigenen Rüstungsindustrie. Heute ist Israel zugleich Importeur, Produzent und Exporteur von Waffensystemen und Militärtechnologie. Die Rüstungsproduktion stellt einen wichtigen wirtschaftlichen Faktor dar. Rund ein Viertel aller israelischen Exporte sind Waffen und militärische Ausrüstungsgüter. Der Rüstungswettlauf im Nahen Osten erhielt darüber hinaus eine neue Qualität: Israel wurde zur Atommacht.

Mitte der achtziger Jahre jedoch brach der steile Aufrüstungstrend im Nahen Osten ab. Die wesentliche Ursache hierfür kann man der allmählichen Akzeptanz des regionalen Status quo zuschreiben. Folgt man diesem Erklärungsansatz, so fanden sich vor allem die arabischen Ringsstaaten nach einer Reihe militärischer Niederlagen schließlich mit der Existenz Israels ab und gaben ihren Traum von der Verwirklichung politischer Ziele durch militärische Siege auf. Die Streitkräfte verloren ihren Charakter als Instrumente zur Durchsetzung strategischer Veränderungen. Das allmähliche Verschwinden der Sowjetunion als Machtfaktor aus der Region hat seinen Teil dazu beigetragen.

Doch die Region ist bisher der Welt größter Waffenmarkt geblieben. Denn während die Militärausgaben seit dem Ende des Ost-West-Konflikts weltweit sanken und sich von 1989 bis 1998 um rund ein Drittel auf 745 Milliarden US-Dollar reduzierten, blieben die Militärausgaben im Nahen Osten (einschließlich der Golfregion) mehr oder weniger konstant.

Dies schlägt sich natürlich auch in der ökonomischen Belastung nieder.

"Ausreißer" sind allerdings bei Kuwait und Saudi-Arabien vor allem in den Jahren nach dem zweiten Golfkrieg zu verzeichnen, der zu einem Beschaffungsboom führte. In den zehn Jahren seit dem Ende der globalen Konfrontation floss rund ein Viertel aller weltweiten Waffentransfers in den Nahen Osten – mit steigender Tendenz: Von 1995 bis 1999 erreichte der Anteil bereits wieder 30 Prozent. Auf der Liste der weltweit bedeutendsten Waffenimporteure steht Saudi-Arabien seit 1997 an zweiter Stelle; bis 1996 hatte die Ölmonarchie die Liste noch angeführt, wurde dann aber von Taiwan abgelöst, dessen Waffenimporte sich 1997 fast vervierfachten. Die Tendenz der saudischen Importe ist besonders bemerkenswert. Sie sinken seit 1998. Es handelt sich vermutlich nicht um ein zufälliges Schwanken, das nur mit den Ölpreisen zusammen hängt. Waffenlieferungen sind ja stets das Ergebnis vorausgegangener Liefervereinbarungen. Und bei den Rüstungsverträgen, die Saudi-Arabien in den vergangenen Jahren einging, ist ein kontinuierlicher Rückgang zu verzeichnen: Die Summen der 1994 bis 1997 abgeschlossenen Verträge betragen mit 14.1 Mrd. US-Dollar gerade mal ein Drittel der Summen der in der Periode 1987 bis 1990 unterzeichneten Liefervereinbarungen. In der Periode 1998 bis 2001 wird man infolgedessen weiter sinkende Importe zu erwarten haben.

Ähnliche Trends liegen, mit Ausnahme der Vereinigten Arabischen Emirate, bei den anderen südlichen Golfstaaten vor. Und die konventionellen Waffenimporte der nördlichen Golfstaaten, Iran und Irak, sind ohnehin seit Jahren rückläufig: Der Irak wird seit 1990 durch die UN-Sanktionen am Waffenimport gehindert. Und die Importe Irans haben sich gegenüber den achtziger Jahren, den Jahren des Krieges gegen den Irak, auf ein Viertel bis ein Fünftel reduziert – auch auf Grund der wirtschaftlichen Krise.

Diese Skizze der nahöstlichen Rüstungsstände wäre allerdings sträflich unvollständig, wenn die Präsenz der US-Streitkräfte in der Region nicht berücksichtigt würde. Gegenwärtig sind rund 25.000 amerikanische Saldaten am Golf stationiert, die über die modernste Militärmaschinerie der Welt verfügen. Trotz der seit 1991 vorgenommenen tiefen Einschnitte bei den US-Marine- und -Luftwaffenstreitkräften sowie bei den in Europa stationierten NATO-Kontingenten dürfte die US-Überlegenheit gegenüber jeder anderen konventionellen Streitmacht in der Region außer Frage stehen.

Wie sind die hier nachgezeichneten Entwicklungen bei den Militärausgaben und Waffenimporten im Nahen Osten zu beurteilen? Unter ökonomischen Gesichtspunkten kommt es auf die Blickrichtung an. Für die Volkswirtschaften der Regionalstaaten stellen die Kosten für das Militär nach wie vor eine hohe Belastung dar. Für die großen Waffenexportnationen – an der Spitze die USA, gefolgt, mit weitem Abstand, von Frankreich und Großbritannien – dient der Waffentransfer in den Nahen Osten mit Blick auf die weltweit gesunkenen Rüstungsausgaben dem Erhalt der Rüstungskapazitäten. Unter sicherheitspolitischen Gesichtspunkten lässt sich feststellen, dass Saudi-Arabien und Kuwait und auch die anderen Ölmonarchien am Golf nach Einführung der bestellten Rüstungsgüter in die Truppen über Streitkräfte verfügen, die vom Ausrüstungsstand her geurteilt zu den besten der Welt gehören.

Hiervon müssen keine nennenswerten destabilisierenden Wirkungen ausgehen. Vielmehr sind die konservativen Öl-Monarchien heute besser gerüstet, als es seinerzeit Kuwait war, um einer eventuellen Aggression zu begegnen. Weder Iran oder Irak – denn um diese beiden als potentielle Gegner angesehenen Staaten geht es in erster Linie – könnten in naher Zukunft in einem konventionellen Krieg die militärischen Kapazitäten der USA im Bündnis mit den Streitkräften der südlichen Golfstaaten vor unlösbare Aufgaben stellen. Und es darf bezweifelt werden, dass diese Waffen in einem israelisch-arabischen Krieg gegen Israel eingesetzt werden würden. Unabhängig davon, für wie wahrscheinlich ein solches Szenario gehalten wird – die USA würden die von ihnen belieferten südlichen Golfstaaten vermutlich daran hindern. Sie können zum Beispiel die Elektronik, ohne die diese Waffen blind wären, unbrauchbar machen. Auf dem Sektor der Hochtechnologie führen Rüstungsimporte eben auch zu militärstrategischen Abhängigkeiten. Oder, anders formuliert: Auf Rüstungsexporte gründet sich Einflussnahme.

Ein jüngstes Beispiel ist der Streit um ein rüstungspolitisches Geschäft zwischen Israel und China, der in Israel zu einer kontroversen Diskussion über die Vor- und Nachteile der Abhängigkeit von amerikanischer Militärhilfe führte. Die USA verhinderten, dass Israel das fliegende Frühwarn-Aufklärungssystem "Phalcon" nach China exportiert. Es ist nach US-Darstellung eine Weiterentwicklung des amerikanischen AWACS-Spionageflugzeugs. Die USA drohten, die Lieferung neuer Kampfflugzeuge an Israel zu verzögern und die US-Militärhilfe um 250 Mio. US-Dollar zu kürzen, um eben den Betrag, den eines der mit der Spionage-Elektronik ausgestatten Flugzeuge kosten sollte. Im Sommer dieses Jahres sagte Israel nach monatelangen Auseinandersetzungen das Geschäft schließlich offiziell ab. Ein Verkauf des "Phalcon" an Indien wird wohl ebenfalls am Einspruch der USA scheitern. Ob die Bedenken der USA tatsächlich sicherheitspolitisch motiviert waren oder ob es darum ging, der israelischen Rüstungsindustrie, die ja auch Konkurrent ist, einen Schlag zu versetzen, wer weiß? Vielleicht trifft auch beides zu. Die Auseinandersetzungen um das Phalcon-Geschäft haben jedenfalls dazu geführt, dass die USA ein Mitspracherecht bei künftigen israelischen Rüstungsexporten in Staaten verlangten, die aus der Sicht Washingtons eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA oder für die regionale Stabilität darstellen. Die Liste enthielt anfangs 27 Staaten, schmolz dann aber auf vier Staaten – Indien, Pakistan, China und Russland – zusammen. Die Frage, ob die Waffenlieferungen der USA in die Region nun überwiegend ökonomisch oder geostrategisch motiviert sind, stellt sich natürlich auch über den Einzelfall hinaus. Ich kann sie hier nicht diskutieren, geschweige denn entscheiden. In der Fachwelt ist der Streit darüber nie beigelegt worden. Grundsätzlich jedoch gilt: Die Waffenlieferungen der USA in die Region erfolgten stets mit politischen Absichten. Ich komme damit auf die Bedeutung von Rüstungstransfer und rüstungspolitischer Zusammenarbeit für strategische Allianzen in der Region.

RÜSTUNGSTRANSFER UND RÜSTUNGSPOLITISCHE ZUSAMMENARBEIT IM DIENSTE STRATEGISCHER ALLIANZEN

Beispiel Nummer eins: Die militärische Zusammenarbeit zwischen den USA und Israel hat sich seit 1967 und besonders im Verlauf des Friedensprozesses bis zu einem Punkt "knapp unterhalb" eines förmlichen Militärpakts fortentwickelt. Israel wird mit dem Besten beliefert, was die USA im Bereich der Luftwaffe zu liefern haben und erhält Daten aus der amerikanischen Satellitenaufklärung. Inzwischen ist aus der einseitigen Beziehung zwischen Lieferanten und Belieferten eine zweiseitige geworden, bei der die USA mitunter von dem technischen know-how der Israelis profitieren. Israel entwickelt mit US-Hilfe Systeme zur Frühwarnung vor Raketenangriffen und die Raketenabwehrsysteme "Arrow" und "Nautilus". Arrow ist eine Rakete, die taktische ballistische Raketen im Flug abfangen soll. Bisher hat die Entwicklung der Arrow 1,1 Mrd. US-Dollar gekostet, wovon die USA 65 Prozent finanziert haben. Am 15. September 2000 wurde die Arrow 2 erstmals gegen eine von einem Kampfflugzeug abgefeuerte ballistische Rakete erfolgreich getestet – gegen eine simulierte Scud-Rakete russischer Bauart. Nautilus ist eine Laserwaffe, die gegen Artillerieraketen von der Art der Katyusha eingesetzt werden soll, mit denen die Hizbollah während der israelischen Besetzung des Südlibanon Ortschaften im Norden Israels beschoss. Am 6. Juni 2000 wurde das System in White Sands, New Mexico, erstmals erfolgreich getestet.

Die militärische Zusammenarbeit erfolgt aus Washingtons Eigeninteresse in der Region. Hier ist insbesondere die Sicherung eines ungehinderten Ölflusses zu moderaten Preisen zu nennen sowie die Verhinderung der Weiterverbreitung (Proliferation) von Massenvernichtungswaffen in Staaten, die als potentielle Gegner gelten. Israel erleichterte als Juniorpartner den USA bereits in der Vergangenheit die Wahrnehmung ihrer Interessen in der Gesamtregion, z.B. 1980 durch der Bombardierung des irakischen Reaktors in Osirak oder 1991 durch die rasche Belieferung der Anti-Irak-Koalition mit Minenräumgeräten. Eine Beilegung des arabisch-israelischen Konflikts würde die offene Einbeziehung Israels in einen künftigen Konflikt am Golf erleichtern.

Der strategische Pakt zwischen den USA und Israel ist jedoch kein Verteidigungsbündnis und bedarf darum auch keiner Ratifikation durch den US-Senat. Solange eine vertragliche Regelung der noch offenen israelisch-arabischen Konflikte ausbleibt, werden die gegenwärtigen Verhandlungen über eine Höherstufung der strategischen Beziehungen voraussichtlich nicht zu einer formellen Allianz führen. Damit erfüllen diese Beziehungen die Interessen Israel an der Partnerschaft mit den USA in doppelter Hinsicht: Sie bindet die USA politisch, belässt Israel aber die militärische Handlungsfreiheit in der Region, die es für seine offensive Verteidigungsdoktrin benötigt.

Beispiel Nummer zwei: Die so genannte Phantom-Allianz zwischen Israel und der Türkei ist ein weiterer Fall von Rüstungskooperation im Dienste strategischer Interessen. Die offizielle militärische und rüstungstechnische Zusammenarbeit nahm ihren Anfang mit der Unterzeichnung eines Ausbildungsabkommens 1996. Israelische Piloten können seither von türkischen Stützpunkten aus Übungsflüge über türkischem Gebiet vornehmen, türkische Piloten werden an israelischen Flugsimulatoren geschult und nehmen an Übungsflügen in Israel teil. Im gleichen Jahr wurde ein erstes Abkommen über Rüstungskooperation unterzeichnet, weitere folgten. Israel übernimmt die Modernisierung der Phantom-F-4- und Phantom-F-5-Jagdbomber der türkischen Luftwaffe. Die Türkei kauft israelische Luft-Boden-Raketen. Künftig sollen sowohl Luft-Boden-Raketen vom Typ "Popeye II" als auch die israelische Raketenabwehrrakete "Arrow" in Koproduktion hergestellt werden. Mit israelischem Grenzüberwachungsgeräts und geheimdienstlicher Zusammenarbeit soll das Einsickern kurdischer Guerillas aus dem Norden Syriens und Iraks in die Türkei verhindert werden. Israelische Firmen werden als aussichtsreichste Bewerber um Aufträge für unbemannte Flugzeuge und Aufklärungsflugzeuge zur Frühwarnung angesehen. Israel versorgte die Türkei mit technischen Daten über das russische Jagdflugzeug MIG-29, das Rückgrat der syrischen Luftwaffe – es wird vermutet, dass Deutschland drei Exemplare dieses Flugzeugs der israelischen Luftwaffe zu Übungszwecken zur Verfügung gestellt hatte.

Die Partnerschaft zwischen Israel und der Türkei hat ehrgeizige Perspektiven. Die Türkei erhofft sich von der Kooperation mit Israel einen Innovationsschub, der seiner Militärmaschinerie und seinen Industrialisierungsplänen zugute kommen soll. Durch die rüstungspolitische Zusammenarbeit mit Israel kann die Türkei ihre Abhängigkeit von europäischen und US-amerikanischen Waffenlieferungen reduzieren. Von Israel erwartet das türkische Militär weit weniger Probleme im Zusammenhang mit Menschenrechtsfragen als von Westeuropa und den USA. Darüber hinaus erhofft sich die Türkei über Israel einen verbesserten Zugang zum US-amerikanischen Markt als Ergänzung zum europäischen, der so lange nur begrenzt entwicklungsfähig scheint, wie die EU einem türkischen Beitritt Widerstand entgegen setzt. Hochwillkommen ist außerdem das Engagement israelischer Unternehmen bei den ehrgeizigen Bewässerungs- und Entwicklungsprojekten in Südostanatolien.

Auch für Israel mag die Wasserfrage eine Rolle bei der Partnerschaft mit der Türkei spielen. Die Sicherung der israelischen Wasserversorgung mit Hilfe der Türkei – über eine sogenannte Friedenspipeline oder durch Tankschiffe – ist langfristig nicht auszuschließen, wenngleich die Wirtschaftlichkeit des Wassertransports über weite Strecken fraglich ist. Aber vor allem bieten sich der israelischen Rüstungsindustrie, die bei der Modernisierung veralteter Waffensysteme weltweit führend ist, mit der rüstungstechnischen Zusammenarbeit enorme Gewinnchancen. Dies gilt aber auch für den zivilen Bereich. Mehrere Dutzend israelische Unternehmen sind bereits in der Türkei tätig, vor allem beim Südostanatolien-Projekt, das den Bau einer Vielzahl von Wasserkraftwerken und Bewässerungsanlagen vorsieht. Die Türkei stellt für Israel einen äußerst attraktiven Markt für High Tech-Verfahren und -Produkte dar. Er ist viel aufnahmefähiger als die Märkte aller arabischen Nachbarn Israels zusammengenommen. Darüber hinaus betrachten israelische Investoren die Türkei als Tür zu der zentralasiatischen Region, die sie sich in joint ventures mit türkischen Unternehmen zu erschließen hoffen.

Und schließlich dürfte Israel auch aus militär-strategischen Beweggründen an der Kooperation mit der Türkei interessiert sein. Bei einem möglichen Waffengang um die Golanhöhen würden syrische Kräfte an der Grenze zur Türkei gebunden bleiben. Darüber hinaus wären türkische Stützpunkte für Israel für den Fall von Nutzen, dass es einer Bedrohung durch iranische Massenvernichtungswaffen mit militärischen Mitteln zuvorzukommen sucht.

Auch die Türkei verbindet mehr als wirtschaftliche Interessen mit der Kooperation. Seit Dezember 1997 dürfen israelische Kampfflugzeuge im türkischen Luftraum entlang der syrischen, irakischen und iranischen Grenze patrouillieren. Israelische Piloten sollen im Nordirak, der seit den zweiten Golfkrieg von Ankara immer offener als so genannte türkische "Sicherheitszone" behandelt wird, bereits an mehreren Kampfeinsätzen gegen Stellungen der kurdischen Arbeiterpartei PKK beteiligt gewesen sein.

Die israelisch-türkische Zusammenarbeit hat sich bereits bei der Gefangennahme des PKK-Führers Öcalan im Februar letzten Jahres bewährt. Der Verhaftung war im Oktober 1998 eine ultimative Forderung Ankaras nach Ausweisung Öcalans aus Damaskus vorausgegangen. Syrien beugte sich dieser Forderung. Es fühlt sich von der Partnerschaft der Türkei mit Israel in die Zange genommen, und dies dürfte dazu beigetragen haben, dass Damaskus Öcalan den bisher gewährten Schutz entzog. Bei der Gefangennahme Öcalans in Kenia sollen zudem Agenten des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad mitgewirkt haben.

RÜSTUNGSMODERNISIERUNG UND KONVENTIONELLE ABSCHRECKUNG

Doch weder von den Allianzen noch von dem hohen konventionellen Rüstungsstand gehen nach meinem Urteil wesentliche destabilisierende Wirkungen aus. Die immensen Importe von konventioneller Spitzentechnologie in die Region erscheinen aus einer Sicht, nach der Waffen generell eine Gefahr für den Frieden darstellen, gewiss bedenklich. Und wenn wir uns vor Augen führen, dass der Waffentransfer nach Iran und Irak den längsten und verlustreichsten Krieg in der Region mit der für einen Abnützungskrieg von acht Jahren benötigten militärischen Energie versorgt hat – der erste Golfkrieg zwischen Iran und Iran hat von 1980 bis 1988 nach verschiedenen Schätzungen zwischen 300.000 und 1.500.000 Tote gefordert –, dann gibt es natürlich allen Grund, nach Möglichkeiten zu suchen, den konventionellen Rüstungstransfer in die Region zu beschränken. Doch es hat gegenwärtig nicht den Anschein, als bedrohte er den militärischen Status quo. Weder, was das Kräfteverhältnis zwischen den nördlichen und den südlichen Golfstaaten angeht, noch, wenn als Bedrohungsszenario eine militärische Konfrontation Israel gegen arabische Staaten angenommen wird. Die konventionelle Rüstung hat eher die Funktion von Abschreckung, als dass sie dem Erwerb von Kriegführungsfähigkeiten dient. Die Militärausgaben in der Region dienen nicht länger der Vergrößerung der Streitkräfte, sondern ihrem Erhalt und ihrer Modernisierung. Truppen werden in erster Linie für begrenzte militärische Szenarien bereitgehalten, Eingriffe in innerstaatliche Auseinandersetzungen eingeschlossen. Auch ein eventueller Friedensschluss wird voraussichtlich nichts an der fortgesetzten Modernisierung der konventionellen Arsenale in der Region ändern. Die Anstrengungen Syriens und Israels, der beiden stärksten Militärmächte und gegenwärtigen Hauptkontrahenten in der Region, würden sich bei der konventionellen Rüstung wohl vor allem auf eine weitere Modernisierung ihrer Luftverteidigungssysteme richten. Beide würden vermutlich nicht ab-, sondern umrüsten. Israel könnte die Rückgabe palästinensischen Territoriums gegebenenfalls durch einen Ausbau der Luftwaffe "ausgleichen"; Syrien könnte hierauf mit der Anschaffung von Luftabwehr- und Überwachungssystemen antworten. Israel würde zudem weiterhin in die Raketenabwehr investieren.

Es sind nicht in erster Linie die konventionellen Arsenale, sondern vor allem die Massenvernichtungswaffen und ihre Trägermittel, denen ein hohes Destabilisierungspotential zugeschrieben wird.

SCHLEICHENDE PROLIFERATION VON MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN

Unter Massenvernichtungswaffen werden Atomwaffen, chemische Waffen und biologische Waffen verstanden. Als Träger zu militärischen Zwecken dienen ballistische Raketen, Marschflugkörper und Flugzeuge. Vor allem gegen ballistische Raketen gibt es keine verlässliche Abwehr; darüber hinaus reduzieren sie aufgrund ihrer hohen Fluggeschwindigkeit die Vorwarnzeit und gelten daher als besonders kriseninstabil. Die folgende Darstellung beschränkt sich darum bei den Angaben über Trägersysteme für Massenvernichtungswaffen auf ballistische Raketen.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Israel Atomwaffen besitzt – nach Schätzungen von Experten bis zu 300 Sprengköpfe. Andere Staaten werden nuklearer Ambitionen beschuldigt. Weit verbreitet sind chemische Waffen. Mehreren nahöstlichen Staaten werden Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen im Bereich biologischer Waffen nachgesagt sowie die Fähigkeit, B-Waffen in kürzester Frist produzieren zu können. Eine Reihe von Staaten ist im Besitz von ballistischen Raketen, vor allem mit Reichweiten bis zu 150 km. Einige Staaten unterhalten Programme zur Entwicklung von Raketen größerer Reichweite über 1000 km. Über Interkontinentalraketen hingegen verfügt bisher kein Staat der Region. Vor allem dem so genannten Raketenwettlauf werden Gefahren für die sicherheitspolitische Stabilität des Nahen Ostens zugeschrieben.

Bevor ich näher auf die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen im Nahen Osten eingehe, will ich auf ein grundsätzliches Problem hinweisen. Es betrifft die fragwürdige Qualität der Daten. Fast nie geben Staaten zu, derartige Programme zu unterhalten. Viele Informationen stammen aus Geheimdienstquellen, derer sich auch unabhängige Wissenschaftler bedienen. Manchmal widersprechen sich diese Angaben. Bei den Studien, die von ihnen Gebrauch machen, lassen sich politische Motive und Selektivität nicht ausschließen. Mitunter werden Fälle gezielter Desinformation bekannt, die vermutlich erwünschte politische Entscheidungen herbei führen soll. Ich beschränke ich mich deshalb darauf, nur einige markante Entwicklungen darzulegen und zu bewerten.

Israel gilt als unerklärter Kernwaffenstaat. Unter Experten ist unumstritten, dass Israel über die Fähigkeit verfügt, Atomwaffen selbst herzustellen, sowie im Besitz eines beträchtlichen nuklearen Arsenals ist. Israel hat den Besitz von Atomwaffen bisher nicht zugegeben, allerdings auch nicht dementiert. Aus israelischer Sicht stellen diese Waffen das Rückgrat der israelischen Abschreckungsfähigkeit dar. Ich komme hierauf noch einmal zurück.

Ist das israelische Nuklearmonopol ungefährdet? Oder gibt es Konkurrenten? Seit Jahren behaupten die USA, gestützt auf Erkenntnisse der CIA, Iran versuche, eine illegale Nuklearkapazität aufzubauen. Der Zeitraum hierfür wird auf zehn Jahre plus minus N veranschlagt, abhängig davon, wie viel Unterstützung Iran von außen erhält. Vor allem die Kooperation mit Russland im zivilen Nuklearbereich erregt den Verdacht der USA. Umfangreiche Inspektionen der Internationalen Atomenergiebehörde haben jedoch keine Indizien für eine Verletzung des Vertrags zur Nichtverbreitung von Nuklearwaffen erbracht. Bisher gibt es keinen Nachweis, dass Iran Kernwaffen besitzt oder den hierfür benötigten nuklearen Brennstoff produziert hat.

Bleibt als weiterer ernst zu nehmender Staat mit vormals nuklearen Ambitionen der Irak. Sein Programm zur Entwicklung von Nuklearwaffen wurde von der Internationalen Atomenergiebehörde jedoch aufgedeckt; die entsprechenden Anlagen und Materialien wurden unter ihrer Aufsicht zerstört.

Unter den Massenvernichtungswaffen haben Chemiewaffen die größte Verbreitung, und zwar nicht nur im Nahen Osten, sondern weltweit. Im Nahen Osten besitzen vermutlich Ägypten, Iran, Israel, Libyen und Syrien C-Waffen. Besondere militärstrategische Bedeutung wird den syrischen Beständen beigemessen. Syrien soll über ein breites Spektrum und bedeutende Vorräte an chemischen Kampfstoffen verfügen. Von israelischer Seite wird zudem der Verdacht geäußert, dass Syrien auch über modernste hochletale C-Waffen wie das in geringster Dosis tödliche Nervengas VX verfüge.

Bis zum Beginn des zweiten Golfkriegs hatte der Irak nach eigenen Angaben große Mengen chemischer Kampfstoffe, darunter auch VX, hergestellt sowie spezielle Raketensprengköpfe und Artilleriegranaten zum Verteilen dieser Substanzen entwickelt und getestet. Im Rahmen der UN-Inspektionen wurden große Teile dieser Bestände und Herstellungsanlagen zerstört. Der Verbleib von Vorprodukten, insbesondere des äußerst beständigen binären Kampfstoffs VX, ist jedoch nicht vollständig geklärt. Und es ist nach dem Abbruch der UN-Inspektionen im Dezember 1998 zweifelhaft, ob dies jemals geschehen wird.

Mehreren nahöstlichen Staaten werden Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen im Bereich biologischer Waffen nachgesagt sowie die Fähigkeit, B-Waffen in kürzester Frist produzieren zu können. Nachweise sind besonders schwer zu erbringen, weil sich die vermuteten Programme als pharmazeutisch-biotechnologische Entwicklungen tarnen lassen.

Der Irak hat nach eigenen Angaben bis 1991 30.000 Liter verschiedener Biowaffen-Kampfstoffe produziert. Ein Teil davon wurde in Bomben, Granaten und Sprühbehältern abgefüllt und getestet. Im zweiten Golfkrieg waren 191 Gefechtsköpfe abschussbereit, wurden jedoch nicht eingesetzt. Nach irakischen Angaben sind die Kampfstoffe inzwischen vernichtet worden. Die Inspektionskommission UNSCOM erklärte hierzu, dass sich keine Beweise für die Einstellung des Biowaffenprogramms finden ließen, wohl aber dafür, dass es dem Irak bis heute gelungen sei, Teile des Programms geheim zu halten. Somit sind sowohl der Umfang des Gesamtprogramms als auch der davon vernichtete Anteil noch ungeklärt. Einige Experten gehen soweit anzunehmen, dass das B-Waffen-Programm trotz der Kontrollen intakt geblieben sei. Solange die Inspektionen der irakischen Abrüstung ruhen, wird die Unsicherheit fortbestehen.

RAKETENPROLIFERATION IM NAHEN OSTEN

Ballistische Raketen mit Reichweiten bis 150 km sind im Nahen Osten weit verbreitet. Die folgende Tabelle umfasst stationierte Trägersysteme und solche Flugkörper, deren Entwicklung so weit fortgeschritten ist, dass mit ihrer Stationierung in absehbarer Zeit zu rechnen ist.

Auch die Arsenale bis 150 km Reichweite können angesichts der Grenznähe vieler nahöstlicher Hauptstädte als bedrohlich gelten. Dennoch wird in erster Linie die Verbreitung von Raketen mittlerer und größerer Reichweite mit Besorgnis registriert. Denn mit der Reichweite der Raketen wächst die Gefahr, dass eine begrenzte militärische Auseinandersetzung sich zu einem tödlichen Flächenbrand ausweitet.

Im Bereich der Trägersysteme ist Israel in der Region führend. Als einziger Regionalstaat kann es ballistische Raketen großer Reichweite eigenständig herstellen. Die israelischen Raketen können den größten Teil der Region einschließlich Irans sowie der zentralasiatischen Republiken erreichen. Allerdings hat die Islamische Republik Iran im Juli dieses Jahres einen erfolgreichen Test mit der Shihab-3 durchgeführt, eine Mittelstreckenrakete, deren Reichweite auf 1.300 km erhöht wurde. Zudem arbeitet Iran an der Shihab-4, einer ballistischen Rakete mit einer Reichweite von 2.000 km. Wenn Iran diese Raketen einmal in seine Streitkräfte einführen sollte, wäre Israel davon direkt bedroht.

KEINE STRATEGISCHE STABILITÄT IM NAHEN OSTEN

Rüstungswettläufe bei Massenvernichtungswaffen hat es bis Ende der achtziger Jahre auch im Rahmen des Ost-West-Konflikts gegeben. Doch erstens herrschte dort auf der Grundlage der Interkontinentalraketen der Supermächte eine strategische Balance, das so genannte Gleichgewicht des Schreckens. Jede Seite konnte der anderen bei einem nuklearen Schlagabtausch so viel Schaden zufügen, dass das Risiko einer militärischen Auseinandersetzung unermesslich hoch war. Von einer Abschreckungsstabilität dieser Art kann im Nahen Osten nicht die Rede sein. C-Waffen sind bereits mehrfach eingesetzt worden. Und aufgrund der vermuteten Beschaffenheit der israelischen Atomwaffen bestehen Zweifel daran, dass sie lediglich Mittel existentieller Abschreckung darstellen.

Militärstrategische Gleichungen haben zweitens stets auch die politischen Beziehungen zwischen den Kontrahenten in Rechnung zu stellen. Zwischen Ost und West herrschte ein allseits akzeptierter territorialer Status quo. Auch politisch waren die beiden Blöcke gewissermaßen saturiert. Ihre Führungsmächte respektierten den Machtbereich der anderen Führungsmacht. Beides trifft auf den Nahen Osten nicht zu. Neben der Vielzahl territorialer Dispute gab und gibt es Versuche von Seiten nahöstlicher Regierungen, die Gesellschaften anderer Staaten zu destabilisieren und die Herrschaftsbasis regierender Eliten zu untergraben. Innerstaatliche Konflikte laufen daher Gefahr, auf die zwischenstaatliche Ebene zu eskalieren.

Und drittens ist der Nahe Osten nicht bipolar strukturiert, sondern multipolar. Die meisten Staaten der Region unterhalten militärische Streitkräfte gegen mehr als nur einen bestimmten potentiellen Gegner. Unter den Bedingungen von Multipolarität sind Drohbeziehungen vermutlich weit schwieriger zu stabilisieren als unter den Bedingungen der Bipolarität.

Es ist die Gemengelage aus innenpolitischer Instabilität einer Reihe von Regionalstaaten, ungelösten politischen Konflikten sowie fehlender strategischer Balance, die im Nahen Osten die Rüstungswettläufe bei A-, B- und C-Waffen sowie den Trägerraketen so gefährlich macht. Zudem wäre ein Krieg mit Massenvernichtungswaffen kaum auf die Region eingrenzbar. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würden die USA zumindest dann militärisch eingreifen, wenn die Existenz Israels auf dem Spiel stünde. Für einen solchen Krieg wäre der von Barak ins Spiel gebrachte Begriff "total" in der Tat angebracht. Doch an einer militärischen Eskalation über das Niveau des gegenwärtigen "low intensity conflict" hinaus scheint gegenwärtig keiner nahöstlichen Regierung gelegen. Aber keine Regierung ist für die Ewigkeit. Ich komme damit zu der Frage, welche Möglichkeiten es geben könnte, die Rüstungsdynamik im Nahen Osten politisch zu zähmen.

DREI WEGE AUS DER GEFAHR

Mit den Gefahren, die von der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen ausgehen, lässt sich im Prinzip auf drei verschiedenen Wegen umgehen: Erstens kann man versuchen, dem Aufwuchs bedrohlicher Potentiale mit offensiven militärischen Mitteln zu begegnen, indem man z.B. Produktionsstätten oder Raketenbasen zerstört. Israel hat dies bereits einmal getan, als es, wie erwähnt, 1982 den irakischen Reaktor Osirak bombardierte. Die US-amerikanischen Counter-Proliferations-Programme enthalten unter anderem eine derartige Option.

Zweitens kann man versuchen, Abwehrsysteme gegen die Bedrohung zu entwickeln und stationieren. Dies ist der Weg, den die Befürworter einer nationalen oder regionalen Raketenabwehr gehen wollen. Im Nahen Osten rüstet Israel sich gegen die gegenwärtige und noch mehr die künftige Raketenbedrohung. Neben einer Verbesserung der Abwehrrakete "Patriot", deren Wert während des zweiten Golfkriegs sehr begrenzt war, entwickelt Israel mit Hilfe der USA seit Anfang der neunziger Jahre das bereits erwähnte Raketenabwehrsystem "Arrow". Es soll feindliche ballistische Raketen im Flug abfangen. Allerdings ist zweifelhaft, ob es in einer großangelegten militärischen Auseinandersetzung Sicherheit gegen massiven Raketenbeschuss bieten würde.

Neben den israelischen Programmen zum Aufbau einer Raketenabwehr machen sich die sonstigen Bemühungen in der Region bescheiden aus. Nur Syrien und Iran zeigen Interesse an der Lieferung russischer Boden-Luft-Raketen mit begrenzten Fähigkeiten zur Abwehr taktischer Raketen.

Man kann drittens versuchen, den Trend zur Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und der dazugehörigen Trägertechnologie durch Rüstungskontrollregime umzukehren. Für alle Kategorien von Massenvernichtungswaffen gibt es multilaterale, global angelegte Verträge:

Die Weiterverbreitung von Nuklearwaffen soll durch den Atomsperrvertrag verhindert werden, der den Erwerb und die Weitergabe von Atomwaffen verbietet. Ihm sind alle nahöstlichen Staaten bis auf Israel beigetreten. Das nukleare Teststopp-Vertrag ist bisher nicht in Kraft getreten, unter anderem, weil der US-Senat die Ratifikation verweigert hat. Die weltweiten Bestände an Chemiewaffen sollen durch die Chemiewaffen-Konvention abgebaut werden. Die Umsetzung des Vertrages erfolgt jedoch äußerst schleppend. Im Nahen Osten sind Ägypten, Libyen und Syrien dem Vertrag bisher ferngeblieben. Israel hat ihn unterzeichnet, aber bisher nicht ratifiziert. Das Übereinkommen zum Verbot biologischer Waffen haben im Nahen Osten alle Staaten außer Ägypten und Syrien ratifiziert. Das Überwachungssystem des Vertrages gilt jedoch als wenig effektiv. Als Fazit bleibt festzustellen: Die tragenden Säulen der multilateralen Rüstungskontrollregime stoßen im Nahen Osten auf besonders geringe Akzeptanz. Auf die möglichen Gründe hierfür komme ich noch zu sprechen.

Rüstungskontrollverträge gegen Raketenproliferation gibt es nicht. Das informelle Trägertechnologie-Kontrollregime (Missile Technology Control Regime – MTCR) geht einen anderen Weg. Er besteht in einer Selbstverpflichtung der Teilnehmerstaaten, keine Technologie und Bauteile von ballistischen Raketen (mit Reichweiten über 300 km und Nutzlasten von über 500 kg) zu exportieren. Das Regime hat weltweit die Verbreitung ballistischer Raketen verlangsamt. Gestoppt hat es sie nicht. Es steht und fällt mit der Bereitschaft potentieller Lieferstaaten, strikte Exportkontrollen im eigenen Land durchzusetzen. Im Nahen Osten hat es wenig Wirkung gezeigt, denn die Hauptlieferanten der Raketenrüstung im Nahen und Mittleren Osten, vor allem China und Nordkorea, gehören dem Regime nicht an. Das angebotsorientierte Raketen-Kontrollregime kann sich gegenüber dem Nachfragedruck aus dem Nahen Osten nicht durchsetzen.

Die Nachfrage nach Raketentechnologie wird hier vermutlich erst zurückgehen, wenn die Regionalstaaten aus ihrer politisch-strategischen Interessenlage heraus glauben, auf ballistische Raketen verzichten zu können. Ich komme damit auf die endogenen Proliferationsursachen bzw. auf die möglichen Motive zu sprechen, die hinter den Entscheidungen stehen, Massenvernichtungswaffen zu erwerben oder zu entwickeln. Diese Ursachen zu beseitigen ist der verlässlichste, aber vermutlich auch der schwierigste Weg, die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen zu stoppen bzw. aus der Region langfristig alle Massenvernichtungswaffen vertraglich zu verbannen.

MOTIVE FÜR DIE PROLIFERATION VON MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN IM NAHEN OSTEN

Ein wesentlicher Faktor im Wettlauf um den Aufbau von Massenvernichtungswaffen-Potentialen im Nahen Osten liegt in dem Konflikt zwischen Israel und den arabischen Staaten begründet. Die israelische Entscheidung, Nuklearwaffen zu entwickeln, war die Antwort auf die Entschlossenheit der als übermächtig empfundenen arabischen Welt, den neugegründeten Staat Israel "ins Meer zu treiben". Nach Auffassung der arabischen Staaten ist es das regionale Nuklearmonopol Israels – für das es angesichts der Überlegenheit Israels im Bereich hochentwickelter konventioneller Waffensysteme nicht länger eine Rechtfertigung gebe –, das die entscheidende Ursache für die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen im Nahen Osten darstellt.

Israel hält an seiner Nuklearoption in der Überzeugung fest, dass das Überleben des jüdischen Staates am sichersten durch eigene militärische Stärke gewährleistet werden könne. Diese Überzeugung hat mehrere Wurzeln: Das historische Trauma des Holocaust, die Erfahrungen mehrerer israelisch-arabischer Kriege und eine tiefverwurzelte Skepsis hinsichtlich der Dauerhaftigkeit formeller Übereinkünfte und der Zuverlässigkeit von Sicherheitsgarantien durch Dritte. Nuklearwaffen werden als unverzichtbares Element der Stärke des Staates Israel betrachtet.

Die Mehrzahl der Analytiker geht davon aus, dass die israelischen Kernwaffen "Waffen der letzten Zuflucht" für den Fall darstellen, dass der Bestand des jüdischen Staates bedroht sei. Falls allerdings die Annahmen über Größe und Diversifizierung des israelischen Kernwaffenarsenals zutreffen, ist nicht auszuschließen, dass Israel auch nukleare Einsatzoptionen gegen militärisch relevante Ziele (z.B. Kommandozentralen, Waffendepots, Angriffsrouten etc.) entwickelt hat und zudem für den Fall, dass weitere Regionalstaaten in den Besitz von Nuklearwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen sowie treffgenauen Trägersystemen gelangen, Nuklearschläge planen könnte, um diese Waffen vorbeugend auszuschalten.

Den israelischen Kernwaffen wird darüber hinaus die Funktion eines Druckmittels des israelischen "Klienten" auf seinen US-"Patron" zugesprochen: In einem größeren bewaffneten Konflikt könnte Israel die Lieferung von modernsten konventionellen Waffen mit der Drohung erzwingen, andernfalls Atomwaffen einsetzen zu müssen, um der eigenen Zerstörung zu entgehen. Innenpolitisch wird die auf Nuklearwaffen gegründete Überlebensgarantie außerdem als geeignet angesehen, den Spielraum der Regierung in Fragen territorialer Kompromisse zu vergrößern, indem die Aufgabe besetzter Gebiete und der hierdurch bewirkte "Verlust an strategischer Tiefe" durch die nukleare Option kompensiert wird.

Von Seiten der arabischen Staaten und Irans wird die israelische Nuklearoption häufig als Ursache der regionalen Proliferation von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen genannt. So wird den syrischen Chemiewaffen häufig die Funktion zugesprochen, die nukleare Option Israels auszubalancieren. Gleichwohl dürfte die Behauptung, die nachgewiesenen und die vermuteten arabischen bzw. iranischen Massenvernichtungswaffen-Programme seien einzig und allein eine Antwort auf das regionale Nuklearmonopol Israels, eine Vereinfachung darstellen.

Entscheidungen für die Entwicklung oder den Erwerb von Massenvernichtungswaffen erfolgen wohl meistens aus mehr oder weniger diffusen Motiven heraus. Die herrschenden Eliten dürften mit der Verfügung über Massenvernichtungswaffen eine Vielzahl von Funktionen politischer und militärischer Art verbinden, die teilweise nach innen und teilweise nach außen, auf regionale wie auf außerregionale Akteure gerichtet sind. Massenvernichtungswaffen können dazu bestimmt sein, den Einfluss in der Region zu verstärken. Der gewachsene Status des Besitzerstaats kann als geeignet angesehen werden, die Legitimation der Regierung in der eigenen Bevölkerung zu erhöhen. Der Statusgewinn kann bei der Verfolgung außenpolitischer Interessen in die Waagschale geworfen werden. Ob sich Massenvernichtungswaffen wirklich für derartige Zwecke eignen, sei dahingestellt. Diese mitunter spöttisch als "Glitzereffekt" bezeichnete Funktion, die nur begrenzt rationaler Analyse zugänglich ist, ist dennoch nicht von vornherein aus der Reihe möglicher Proliferationsursachen im Nahen Osten auszuschließen.

Rational nachvollziehbar sind jedoch die möglichen Motive, die sich auf militärstrategische Funktionen von Massenvernichtungswaffen richten. Zum einen werden Massenvernichtungswaffen als geeignet angesehen, potentielle Gegner ihrerseits vor dem Gebrauch solcher Waffen abzuschrecken. Zum anderen könnten sie als Mittel betrachtet werden, quantitative oder qualitative Unterlegenheiten auf konventionellem Gebiet wettzumachen. Beide Funktionen sind aus dem Ost-West-Konflikt hinlänglich bekannt. Vertraut ist auch die Erwartung, durch eigene Programme andere Staaten, die bedrohliche Arsenale besitzen, zu motivieren, in rüstungskontrollpolitische Verhandlungen einzuwilligen. Und schließlich erscheinen Massenvernichtungswaffen geeignet, die Fähigkeit zur Machtprojektion seitens der USA oder anderer Staaten zu beschränken. Auf diese Weise lassen sich Aggressionen gegen einen anderen Regionalstaat gegen Interventionen Dritter flankierend absichern. Der zweite Golfkrieg 1991 könnte in dieser Weise gewirkt haben. Für potentielle Aggressoren liegt es nahe, die Intervention der USA erschweren zu wollen, indem amerikanische Soldaten mit Massenvernichtungswaffen bedroht werden.

Während des Ost-West-Konflikts wurden die Atomwaffen der beiden Supermächte als Garanten der Kriegsverhütung durch Abschreckung betrachtet. Die wechselseitig gesicherte Zweitschlagsfähigkeit versprach strategische Stabilität. Hiervon kann, wie bereits erwähnt, in der nahöstlichen Region keine Rede sein. Dies muss allerdings nicht so bleiben. Israel ist dabei, eine "Zweitschlagsfähigkeit" aufzubauen. Im Juni dieses Jahres startete ein Marschflugkörper von einem israelischen U-Boot im Indischen Ozean. Die israelischen Militärs betrachten eine schwer zu ortende und darum kaum zerstörbare U-Bootflotte, die mit Nuklearwaffen bestückt ist, als Garanten einer zuverlässigen Abschreckungsmacht für den Fall, dass andere Regionalstaaten früher oder später ballistische Nuklearraketen besitzen, die Ziele in Israel treffen können. Vor sieben Wochen erhielt Israel das letzte von drei auf deutschen Werften gebauten U-Booten der Delphin-Klasse, die nach Meinung von Militärexperten den Start nuklear bestückter Marschflugkörper gestatten. Die israelischen Strategen erwarten sich davon ein Mehr an Stabilität im Nahen und Mittleren Osten – auf der Basis einer unangefochtenen strategischen Überlegenheit Israels.

KONVETIONELLE RÜSTUNGSKONTROLLE IM NAHEN OSTEN

Es hat gegenwärtig nicht den Anschein, als seien die Visionen eines Nahen Ostens ohne Massenvernichtungswaffen heute der Realisierbarkeit näher als vor bald zehn Jahren, als der UN-Sicherheitsrat die dem Irak auferlegten Abrüstungsverpflichtungen als Schritte zur Errichtung einer massenvernichtungswaffenfreien Zone im Nahen Osten deklarierte. Darüber hinaus aber hat das Festhalten an den vorhandenen Arsenalen, und insbesondere das Nuklearwaffenmonopol Israels, bisher auch die Versuche vereitelt, konventionelle Rüstungskontrolle und Vertrauensbildung im Nahen Osten zu etablieren.

Rüstungskontrolle ist der Versuch, die anarchische Dynamik von Rüstungswettläufen durch Verhandlungen und Verträge zu zähmen und rüstungspolitische Entscheidungen konsensualer politischer Steuerung zu unterwerfen. Erfahrungen mit der Beschränkung konventioneller Truppen und Rüstungen liegen im Nahen Osten bereits vor: Nach dem Oktoberkrieg gab es Truppenentflechtungsabkommen, Beschränkungen von Truppenstärken, die Einrichtung entmilitarisierter Zonen. Der Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten hat Kontrollsysteme, Frühwarn- und Beobachtungseinrichtungen sowie direkte Kontakte zwischen den Militärs beider Seiten etabliert.

Die Sicherheit an der Ostgrenze Israels wurde in der Vergangenheit durch informelle Absprachen, sogenannte red line agreements, zwischen Israel und Jordanien gewährleistet. Danach würde Israel einen Einmarsch arabischer Truppen nach Jordanien als casus belli betrachten. Die Absprachen wurden von Jordaniens Nachbarstaaten respektiert, und seit 1970 gibt es keine ausländische Truppenpräsenz auf jordanischem Territorium, so dass Jordanien de facto für Israel als strategische Tiefe fungiert. Im israelisch-jordanischen Friedensvertrag von 1994 wurden diese informellen Absprachen vertraglich festgeschrieben. In den Vereinbarungen über Sicherheitsfragen verpflichtete sich Jordanien, keine Stationierung ausländischer Truppen zu erlauben.

Um Rüstungskontrolle und Vertrauensbildung ging es auch in den Gesprächen der israelischen und syrischen Militärexperten über die Modalitäten eines israelisch-syrischen Friedensschlusses. Syrien und Israel haben sich während der Regierungszeit von Rabin und Perez grundsätzlich darauf verständigt, dass die mit konventionellen Waffen ausgerüsteten Streitkräfte im Golan und in angrenzenden Gebieten zu reduzieren seien.

Auch in den bilateralen Verhandlungen zwischen Israel und der PLO über den endgültigen Status ihrer Beziehungen werden Probleme wie die Einrichtung von entmilitarisierten Zonen in der Westbank und im Gazastreifen oder die israelische Nutzung von Westbank-Territorium und -Luftraum für Frühwarnungszwecke zu behandeln sein.

Seit der Madrider Nahostkonferenz 1991 wurden Probleme, die bilateral bisher nicht regelbar erschienen, in multilateralen Gesprächsrunden behandelt. An ihnen waren nicht nur die meisten Regionalstaaten (mit Ausnahme Syriens, Libanons und Libyens), sondern auch außerregionale Staaten sowie die EU und die UNO beteiligt. Seit die bilateralen Verhandlungen allerdings auf Grund gelaufen sind, ist dieser multilaterale Prozess mehr oder weniger blockiert. Die Arbeit der Arbeitsgruppe Rüstungskontrolle und Regionale Sicherheit (ACRS) ruht bereits seit 1995. Sie hat in vier Jahren keine greifbaren Ergebnisse erbracht. Ihre Blockade lehrt uns einiges über die Schwierigkeiten, der Überrüstung des Nahen Ostens mit den Mitteln der Rüstungskontrolle Herr zu werden.

ACRS ist letztendlich an dem ägyptisch-israelischen Streit über die Nuklearfrage gescheitert. Ägypten konnte sich mit seinem Anliegen, die nukleare Frage als Priorität zu behandeln, gegenüber Israel nicht durchsetzen. Die ägyptisch-israelische Kontroverse spiegelte die seit Jahrzehnten propagierten Vorstellungen Ägyptens und Israels zur Errichtung einer kernwaffenfreien Zone im Nahen Osten wider.

Das seit 1974 verfolgte Konzept Ägyptens baut faktisch auf den globalen Mechanismen des Atomsperrvertrags auf. Es enthält drei Schritte: erstens den Beitritt der betroffenen Staaten zum Atomsperrvertrag, zweitens die Unterstellung aller nuklearen Anlagen in den Ländern der künftigen kernwaffenfreien Zone unter die Überwachungsmaßnahmen der Internationalen Atomenergiebehörde, drittens ein Verbot der Stationierung von Nuklearwaffen in der Region durch Drittstaaten. Neben der Atomenergiebehörde sollen auch die Kernwaffenstaaten Verifikationsaufgaben sowie eine Garantiefunktion übernehmen. Direkte Verhandlungen zwischen den künftigen Zonenstaaten wären nach diesem Konzept nicht erforderlich.

Die erstmals 1980 präsentierten israelischen Vorstellungen über die Errichtung einer kernwaffenfreien Zone im Nahen Osten basieren hingegen auf einem genuin regionalen Ansatz. Sie enthalten ausdrücklich formelle Verhandlungen über einen multilateralen Vertrag zwischen den künftigen Zonenstaaten. Zudem würde nach israelischer Auffassung die Überwachung seitens der Atomenergiebehörde durch ein sehr viel schärferes Kontroll- und Verifikationssystem ergänzt werden müssen. Die Forderung, eine besondere Behörde zu schaffen, der unter anderem das Recht auf Verdachtsinspektionen übertragen würde, spiegelt die Skepsis Israels gegenüber den gegenwärtigen Kontrollmechanismen des Atomsperrvertrags wider.

Nach ägyptischer Auffassung kann das Nuklearmonopol Israels nicht für immer stillschweigend hingenommen werden. Insbesondere auf Dauer nicht akzeptabel ist die Ungewissheit hinsichtlich der Anzahl der israelischen Nuklearwaffen, ihrer strategischen Einbettung und ihrer Stationierung. Dahinter steht die Befürchtung, dass in Israel politische Kräfte die Regierungsmacht erringen könnten, die Nuklearwaffen nicht zur Abschreckung bereithalten, sondern sie als Instrument zur Erzwingung politischer Ziele benutzen könnten. Israelische Konzessionen in der nuklearen Frage wären nach ägyptischer Auffassung vertrauensbildende Maßnahmen ersten Ranges und die Voraussetzung für Verhandlungen über die Reduzierung der konventionellen Streitkräfte in der Region.

Nach israelischer Auffassung setzt eine substantielle Einschränkung der israelischen Nuklearfähigkeit (oder erst recht ein Verzicht darauf) dagegen eine umfassende und erprobte Friedensregelung in der Region voraus. Unter "umfassendem Frieden" wird nicht nur der Abschluss von Friedensverträgen mit allen Nachbarstaaten sowie die Beilegung aller territorialen Konflikte zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn verstanden. Gefordert wird auch eine Einbeziehung Irans und des Irak. Darüber hinaus besteht Israel auf einer Verknüpfung konventioneller und nuklearer Rüstungskontrolle. Substantielle Veränderungen in den Streitkräftestrukturen müssten nicht nur in den unmittelbaren Nachbarstaaten, sondern auch in Staaten wie Irak, Iran und Libyen erfolgen.

Beim gegenwärtigen Stand der Nahostverhandlungen scheint es illusionär, auf konkrete Vereinbarungen zur Begrenzung oder gar zum Abbau der bewaffneten Streitkräfte in der Region zu hoffen. Der wesentliche Hinderungsgrund scheint mir zu sein, dass der israelisch-arabische Konflikt um Land noch immer nicht beigelegt ist. Die europäische Erfahrung legt den Schluss nahe, dass sich für substantielle Rüstungskontrolle und Abrüstung im Nahen Osten erst dann reale Chancen ergeben, wenn die betroffenen Regionalstaaten trotz ihrer extremen Heterogenität zu der Überzeugung gelangen, dass verifizierbare Begrenzungen oder Reduktionen bei den Streitkräften und Kriegsmitteln ihrer Sicherheit nicht abträglich sind, sondern förderlich. Hierfür ist die Beilegung territorialen Streits eine zwingende Voraussetzung. Rüstungskontrolle kann die politische Regelung von territorialem Streit nicht ersetzen.

Und ein letztes caveat: Rüstungskontrolle ist nicht Abrüstung. Rüstungskontrolle ist nicht mehr, aber auch nicht weniger, als die politische Steuerung von rüstungspolitischen Entscheidungen. Rüstungskontrolle schließt Abrüstung natürlich nicht aus. Sie kann sich begnügen mit der Festlegung von Obergrenzen bei bestimmten Waffengattungen. Sie ist grundsätzlich sogar mit Aufrüstung kompatibel. Was Rüstungskontrolle konkret im Nahen Osten bewirken könnte, ist abhängig von den Bedrohungswahrnehmungen der herrschenden Eliten. Insbesondere beim Militär herrscht das Denken in "worst case"-Szenarien vor. Die Bedrohungswahrnehmungen im Nahen Osten werden sich daher kurz- und mittelfristig durch ein eventuelles "Ende des Konflikts um Palästina" kaum positiv verändern. Der Schluss, der sich aus diesen Überlegungen zu ziehen ist, lautet: Ein Frieden im Nahen Osten wird vermutlich auf absehbare Zeit ein bewaffneter Frieden sein.