Während westliche Demokratien weiterhin auf formale Bündnisse setzen, vertieft China seine sicherheitspolitischen Beziehungen mit anderen Autokratien – oft informell, selektiv und weitgehend im Verborgenen. Diese Dynamik stellt klassische außenpolitische Analyseinstrumente vor grundlegende Herausforderungen.
Am 12. März besuchten 20 Diplomat:innen des 16. International Diplomats Programme (IDP16) des Auswärtigen Amts das IFSH. Das Programm bringt jährlich Nachwuchsdiplomaten und -diplomatinnen aus aller Welt zusammen – diesmal aus Ländern wie Äthiopien, Indien, Israel, Südkorea, den USA und weiteren Staaten aus Afrika, Asien, dem Nahen Osten sowie Nord- und Lateinamerika.
Dr. Sabine Mokry, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsbereich Rüstungskontrolle und Neue Technologien, stellte ihre aktuellen Forschungsergebnisse vor. Einen Schwerpunkt legte sie auf das von ihr entwickelte Konzept der „Security Ties". Mithilfe dieses Konzepts analysiert sie anhaltende, sicherheitsbezogene Interaktionen Chinas mit anderen Autokratien, die dem Ziel der Regimestabilität dienen sollen. Diese sicherheitspolitischen Verflechtungen („Security Ties") untersucht sie entlang dreier Dimensionen: Tiefe, Dauerhaftigkeit und Binnenverankerung.
Die empirischen Befunde zeigen: Russland ist das Gravitationszentrum von Chinas sicherheitspolitischen Verflechtungen. Im Vergleich zu anderen Autokratien unterstützt China gezielter in einzelnen Bereichen, so beispielsweise Vietnam und Iran bei der Regimesicherheit, Nigeria beim Aufbau militärischer Fähigkeiten sowie Saudi-Arabien bei der Rüstungstechnologie. Besonders aufschlussreich: Nordkorea, Chinas einziger formaler Allianzpartner, weist überraschend oberflächliche Verflechtungen auf.
In der Diskussion standen vor allem Chinas Unterstützung für Russland im Ukraine-Krieg, mögliche Einflüsse auf ein Kriegsende sowie Handlungsoptionen europäischer Staaten im Mittelpunkt. Deutlich wurde: Binäre Kategorien wie „Allianz oder keine Allianz" erfassen die Realität autoritärer Sicherheitskooperation nicht mehr.