Humanitäre Hilfe und die digitale Überwachung von Flüchtlingslagern

Dr. Delf Rothe

Humanitäre Akteure greifen zunehmend auf digitale Technologien - wie etwa Drohnen, Satellitenüberwachung oder Big Data - zurück, um schwer zugängliche Krisengebiete zu überwachen. Regierungsorganisationen wie das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen oder Nichtregierungsakteure wie das Internationale Rote Kreuz nutzen etwa Satellitenbilder, um das Wachstum und die Struktur von Flüchtlingslagern aus der Ferne zu kontrollieren. In dem Artikel “Digital Humanitarianism and the Visual Politics of the Refugee Camp: (Un)Seeing Control” untersucht IFSH-Forscher Delf Rothe die politischen Effekte solcher Überwachungstechnologien. Hierfür kontrastieren Rothe und seine beiden Ko-Autor*innen, Christiane Fröhlich (GIGA) und Miguel Rodriguez Lopez (Universität Hamburg), den Satellitenblick auf Flüchtlingslager aus der Distanz mit der lokalen Perspektive auf solche Lager vor Ort. Am Beispiel zweier Lager für syrische Flüchtlinge in Jordanien - Zaatari und Azraq - zeigen sie, dass technisch vermittelte Daten und Bilder die Lebenswirklichkeit in den untersuchten Lagern nur verzerrt abbilden. Dies sei problematisch, so die Autor*innen, wenn solche Daten als Grundlage für politische Entscheidungen herangezogen würden. 


Hier geht es zum Artikel: https://academic.oup.com/ips/advance-article/doi/10.1093/ips/olaa021/5941766?searchresult=1
 

Weitere Informationen und ein Interview mit einem Autoren gibt es zudem im Newsroom der Universität Hamburg.