Diskussionsrunde und Publikumsgespräch mit Sabine Mokry
Mitwoch, 19 - 20.30 Uhr
Zentralbibliothek der Öffentlichen Bücherhallen
Am Hühnerposten 1, Hamburg
Von BRICS zu BRICS+: Architekten einer neuen Weltordnung?
Vom belächelten Verbund zum geopolitischen Machtzentrum
Die BRICS-Gruppe hat in ihrer Geschichte zwei wesentliche Erweiterungswellen erlebt. Nach der Aufnahme Südafrikas im Jahr 2010 erfolgte die jüngste und weitaus strategischere Expansion. Auf dem 15. Gipfel im August 2023 in Johannesburg wurde die Aufnahme von sechs neuen Mitgliedern beschlossen. Zum 1. Januar 2024 traten Ägypten, Äthiopien, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate bei. Argentinien, das ebenfalls eingeladen worden war, zog seine Mitgliedschaftsantrag zurück, während Saudi-Arabien seine Entscheidung verzögerte. Im Jahr 2025 trat zudem Indonesien der Gruppe als Vollmitglied bei.
Die BRICS-Expansion ist ein klarer Ausdruck ihres wachsenden Selbstbewusstseins. Die neue BRICS+-Gruppe repräsentiert nach Angaben von Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva bis zu 37 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts und 46 Prozent der Weltbevölkerung. Die Erweiterung wird als ein Schritt verstanden, die Perspektiven des Globalen Südens stärker in den Mittelpunkt globaler Diskussionen zu rücken. Es haben etwa 40 weitere Länder Interesse an einer Mitgliedschaft bekundet.
Diese Entwicklung markiert einen deutlichen Wandel in der Motivation der Gruppe. Die ursprüngliche Idee der BRIC-Staaten von Jim O'Neill basierte rein auf ökonomischen Prognosen. Die jüngste Erweiterung, insbesondere die Aufnahme von geopolitisch wichtigen Staaten wie Iran und Äthiopien, unterstreicht, dass die Kriterien über die reine Wirtschaftskraft hinausgehen. Die Gruppe hat sich von einer Investoren-Abkürzung zu einem bewussten geopolitischen Akteur entwickelt. Die Auswahl neuer Mitglieder ist strategisch motiviert, um die globale Relevanz zu erhöhen, auch wenn dies die interne Kohäsion auf ökonomischer und politischer Ebene gefährdet.
Um die steigende Nachfrage nach Mitgliedschaft zu kanalisieren, wurde auf dem Gipfel 2024 in Kasan eine neue Kategorie von „Partnerländern“ geschaffen, die es den BRICS-Staaten ermöglicht, mit weiteren Ländern zu kooperieren, ohne diese sofort als Vollmitglieder aufnehmen zu müssen. Die Schaffung dieses Partner-Status, zu dem auch Nigeria und Thailand eingeladen wurden, ist ein pragmatischer Schritt. Es handelt sich um ein gestuftes Modell der Koalitionsbildung, das die Reichweite der Gruppe erhöht, ohne ihre Entscheidungsfindung durch die potenziellen Konflikte, die mit einer Vollmitgliedschaft verbunden sind, sofort zu lähmen.
Doch was bedeutet dieser Aufstieg des Globalen Südens für die internationale Ordnung? Warum streben immer mehr Staaten eine Annäherung an BRICS an? Und wie verändert der neue Partnerstatus das Machtgefüge innerhalb dieser wachsenden Koalition?
Die Veranstaltung beleuchtet die geopolitischen Motive hinter der jüngsten Erweiterungswelle, wie BRICS+ die globale Architektur herausfordert und was diese neue Ära der Allianz für uns bedeutet.
Mitwirkende: Prof. Dr. Kai Koddenbrock (Universität Bielefeld), Dr. Sabine Mokry (Universität Hamburg, IFSH), Prof. Dr. Klaus Schlichte (Universität Bremen)
Moderation: André Schünke (NDR)
Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.