Eine zentrale Forschungsfrage: Wie praktizieren und erfahren geflüchtete Menschen Care? (c) Celine Ly | Unsplash

Neues partizipatives Forschungsprojekt: REFUGEES CARE!

Im Oktober 2026 startet das neue Forschungsprojekt „REFUGEES CARE! Understanding the caring practices and relations of forced migrants in Italy and Germany“. Es untersucht, wie geflüchtete Menschen unterschiedliche Formen von gegenseitiger Fürsorge (Care) praktizieren und erfahren. Dr. Philipp Schulz, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am IFSH, leitet das Projekt und erhält dafür eine zweijährige Förderung der Gerda Henkel Stiftung.

Geflüchtete Menschen werden in Forschung, öffentlichen Debatten und humanitärer Praxis häufig vor allem als besonders vulnerabel und hilfsbedürftig oder aber als Bedrohung wahrgenommen. Weitaus weniger Aufmerksamkeit findet hingegen die Frage, wie Menschen auf der Flucht selbst füreinander sorgen, sich gegenseitig unterstützen und Care-Beziehungen aufbauen. Genau hier setzt „REFUGEES CARE!“ an: Das Projekt richtet den Blick auf geflüchtete Menschen als aktive Akteur:innen von Care und untersucht, welche Bedeutung solche Praktiken für das Überleben, die Sicherheit, den Frieden und Aufbau eines neuen Lebens haben können.

Untersuchung von Care-Netzwerken in Hamburg, Bremen und auf Sizilien

Im Mittelpunkt stehen drei Fragen: Wie praktizieren und erfahren geflüchtete Menschen Care? Welches transformative Potenzial haben diese Praktiken für Menschen während und nach der Flucht? Und wie unterscheiden sich Erfahrungen und Praktiken von Care abhängig von Geschlecht und anderen gesellschaftlichen Positionierungen? Dabei geht es beispielsweise um gegenseitige Unterstützung unter Menschen auf der Flucht, Selbst- und Gemeinschaftsfürsorge oder transnationale Care-Netzwerke. Das Projekt untersucht diese Fragen in Deutschland (Hamburg und Bremen) und Italien (Sizilien), um unterschiedliche Erfahrungen und Praktiken von Care während der Flucht sowie nach der Ankunft sichtbar zu machen.

Einbindung der Geflüchteten in die Forschung

Ein besonderer Schwerpunkt des Projekts liegt auf partizipativen und ko-kreativen Forschungsmethoden. Statt ausschließlich über Geflüchtete zu forschen, sollen ihre Erfahrungen, Perspektiven und Wissensbestände aktiv in den Forschungsprozess einbezogen werden. In partizipativen Workshops in Hamburg, Bremen und auf Sizilien reflektieren die Beteiligten gemeinsam ihre Erfahrungen und Vorstellungen von Care. Ergänzend führen einzelne Forschungsteilnehmer:innen sogenannte „Care Journals“, in denen sie Praktiken und Beziehungen von Care auf selbst gewählte Weise dokumentieren können – beispielsweise durch Texte, Sprachnachrichten, Fotos, Videos oder Zeichnungen. Ethnografische Forschung im Rahmen gemeinsamer Aktivitäten ergänzt diese Zugänge. 

Mit diesem Forschungsdesign möchte das Projekt nicht nur neue wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen, sondern auch etablierte Vorstellungen von Flucht und Migration hinterfragen und verändern. Die Forschung soll dazu beitragen, die vielfältigen Handlungsmöglichkeiten und Beziehungen geflüchteter Menschen stärker sichtbar zu machen und Erkenntnisse für eine Praxis und Politik zu gewinnen, die deren tatsächliche Bedürfnisse und Erfahrungen stärker berücksichtigt. Ergebnisse aus dem Projekt werden unter anderem künstlerisch und kreativ aufgearbeitet und präsentiert, um somit einen wichtigen Beitrag zum Wissenstransfer zu leisten. 

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