Prof. Dr. Brzoska ist Senior Research Fellow und ehemaliger wissenschaftlicher Direktor des IFSH. (c) IFSH

Wer erhält den Friedensnobelpreis 2026?

Frieden ist derzeit rar gesät. Am Freitag, dem 9. Oktober, wird das Nobelpreiskomitee in Oslo bekannt geben, wem sie den diesjährigen Friedensnobelpreis verleihen werden. Unser Friedensnobelpreis-Experte und ehemaliger wissenschaftlicher Direktor Prof. Dr. Michael Brzoska, mit einer Einschätzung, wer 2026 preiswürdig wäre:

Aktuell gibt es viele Gewaltkonflikte und wenig Frieden in der Welt. Die fünf Mitglieder des vom norwegischen Parlament benannten Wahlkomitees könnten deshalb versucht sein, in diesem Jahr keinen Friedensnobelpreis zu verleihen. Während des ersten und des zweiten Weltkrieges, und auch des Vietnamkrieges wurde in einzelnen Jahren die Preisverleihung ausgesetzt, und das könnte auch im Jahr 2026 wieder passieren. 

Dagegen sprechen allerdings zwei Erfahrungen mit den Entscheidungen des Komitees. Zum einen ist das Spektrum dessen, was ausgezeichnet worden ist, deutlich über Gewaltkonflikte hinaus ausgeweitet worden – vor allem auf Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Auch in diesem Jahr könnte, wie zuletzt die Iranierin Narges Mohammadi vor drei Jahren, wieder eine Menschenrechtsaktivistin ausgezeichnet werden. Zum anderen verleiht das Komitee gern den Preis, um Entwicklungen zu beeinflussen, die es für friedensrelevant hält. Das war etwa 2007 der Fall, als der ehemalige US-amerikanische Vizepräsident Al Gore und der Internationale Klimarat IPCC den Preis erhielten. Damit sollte deutlich gemacht werden, dass Bemühungen um die Eindämmung des Klimawandels auch etwas mit Krieg und Frieden zu tun haben.

Angesichts der aktuellen Lage könnte das Komitee in diesem Jahr den Blick besonders auf den Israel-Palästina-Konflikt richten. Organisationen, die sich um israelisch-palästinensische Verständigung bemühen, sind etwa der von Eltern von Gewaltopfern auf beiden Seiten getragene Parents Circle – Families Forum, die Menschenrechtsorganisation B’Tselem oder der Friedensaktivist David Dean Shulman. Auch der in Berlin lebende Musiker Daniel Barenboim wäre aufgrund seiner Aktivitäten für Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern preiswürdig. Die letzte humanitäre Organisation, die ausgezeichnet wurde, war im Jahre 2020 das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen. In diesem Jahr werden häufig die Sudan Emergency Response Rooms als Favorit für den Preis genannt, die bereits in den letzten Jahren viele Preise erhalten haben. Sie leisten, lokal organisiert und international unterstützt, humanitäre Hilfe im Krieg im Sudan, dem zurzeit blutigsten in der Welt. 

2026 könnte aber auch das Völkerrecht ein Thema für den Friedensnobelpreis sein. Das Völkerrecht, ein zentraler Baustein für Frieden in der Welt, wird zunehmend ignoriert, vor allem, aber nicht nur von den Großmächten. Mögliche Preisträger wären dann der Internationale Gerichtshof und der Internationale Strafgerichtshof, beide in Den Haag ansässig. Eine Verleihung an den Internationalen Strafgerichtshof würde allerdings viel Kritik heraufbeschwören, insbesondere aus den USA. Die Trump-Regierung hat nicht nur Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof verhängt, sondern auch alle Regierungen in der Welt aufgefordert, ihre Unterstützung des Gerichtes zu beenden. Es ist offen, ob das für das Nobelpreiskomitee ein Kriterium ist. Die Verleihung an die Trump-nahe Venezolanerin Maria Corina Machado im letzten Jahr kann als Versuch gedeutet werden, den US-Präsidenten, der sich selbst so intensiv um den Preis bemüht hatte, milde zu stimmen. Stattdessen hat Donald Trump gegen das Komitee gepöbelt und sich sogar in einem Brief an den norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre darüber beschwert, dass er den Preis nicht erhalten hat. Vielleicht bereitet das Komitee für dieses Jahr eine „Retourkutsche“ vor. 

Auf einen Blick: 

Friedensnobelpreis-Favoritenliste 2026 von Prof. Dr. Michael Brzoska 

  1. Parents Circle – Families Forum
  2. Internationaler Strafgerichtshof in Den Haag
  3. Internationaler Gerichtshof in Den Haag
  4. Sudan Emergency Response Rooms
  5. David Dean Shulman
  6. B’Tselem
  7. Daniel Barenboim

     

Pressekontakt:

Gern vermitteln wir Presseinterviews mit Prof. Dr. Brzoska zu diesem oder einem verwandten Themenfeld. 


Sonja Objartel

Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

objartel@ifsh.de   Telefon 040 866077-31   Beim Schlump 83   20144 Hamburg   www.ifsh.de

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